Alibaba: Der E-Commerce Gigant auf Expansionskurs.

Der Internethändler Alibaba möchte im Westen durchstarten und sich auch in Deutschland ausbreiten. Adidas, Metro, Aldi Süd, dm sind schon dabei. Eine erfolgversprechende Plattform ist dabei der digitale Bezahldienst Alipay. Mit mehr als 450 Millionen Kunden zählt er etwa so viele Nutzer wie die EU an Einwohnern hat.

Alibaba plant weiter.

In Frankfurt hat der Onlinehändler das erste Rechenzentrum in Europa in Räumen von Vodafone eröffnet, das heißt, Alibaba arbeitet an der technischen Infrastruktur, um seine Produkte auch in Europa effizienter an Kunden zu bringen. Eine der größten Stärken von Alibaba könnte sich allerdings als Schwachpunkt erweisen. In China boomt das Geschäft auch dank guter Kontakt zur Politik. Daher haben es ausländische Konkurrenten wie Amazon auf dem chinesischen Markt schwer. Aber gerade diese Nähe zur Politik kann für eine Expansion hinderlich sein. Denn Datenschutz spielt für viele Kunden in Europa eine große Rolle. Kunden werden sich genau überlegen, ob sie es wagen, ihr Geld einer Firma anzuvertrauen, die so enge Beziehungen zur chinesischen Führung pflegt.

Viele Deutsche sind skeptisch.

Viele Nutzer geben an, sich einen Einkauf bei diesem Händler „eher nicht“ oder „nicht“ vorstellen zu können. Andere meinen, sie könnten sich einen Online-Einkauf bei Alibaba zwar generell vorstellen, sind sich wegen der chinesischen Herkunft des Unternehmens jedoch eher unsicher. Ein nicht so geringer Teil würde einen Einkauf aus politischen Gründen sogar ablehnen. Deshalb werden sehr günstige Preise allein es nicht richten können. Das bedeutet, Alibaba müsste zum einen bei Deutschen auftretende Zweifel beseitigen, weil die Produkte zumeist direkt aus China kommen und zum anderen erwartet der hiesige Markt wegen Amazon & Co. ohnehin deutlich kürzere Lieferzeiten als bisher.

China und Internet, funktioniert das überhaupt?

Hinter der digitalen „Mauer“ hat trotz totaler Staatszensur aller politischen Inhalte inzwischen mit rund 768 Millionen Menschen die größte Internet-Gemeinde der Welt zusammengefunden. Sie ist fast dreimal so groß wie in den USA.

Zwei Drittel dieser Community hat schon einmal etwas bei Alibaba bestellt. Vor 18 Jahren gegründet, legte Alibaba 2014 den größten Börsengang aller Zeiten hin und erlöste damit fast 25 Milliarden US-Dollar. Heute liegt das Unternehmen auf der Liste der wertvollsten Internet-Firmen weltweit auf dem sechsten Rang. In China ist Alibaba die unbestrittene Nummer 1. Jetzt werden die Fühler nach Europa ausgestreckt. Das E-Commerce-Portal Ali Express eröffnet dabei chinesischen Anbietern das Tor nach Westen, weitere Schwerpunkte sind der Bezahldienst Alipay, Finanzdienstleistungen und Cloud-Computing-Angebote.

Der Internet-Gigant auf Westkurs.

E-Commerce nicht genug Alibaba geht es längst nicht mehr nur um die Verkaufsplattformen. Rund um den klassischen E-Commerce hat die Unternehmensgruppe ein umfassendes Netz von Angeboten geschaffen. Von Alipay, dem größten globalen Online-Bezahldienst der Welt und dem chinesischen Youtube- Pendant Youku Tudou über die Social-Media-Plattform Weibo, den Messenger-Dienst Laiwang, die Couponing-Plattform Juhuasuan und die Shopping-Suchmaschine Etao bis hin zum Musik-Streamingdienst Alibaba Music, dem chinesischen Uber-Äquivalent oder der Reiseplattform Alitrip können chinesische Verbraucher beinahe all ihren digitalen Alltagsbedarf bei Tochter- und Beteiligungsunternehmen des Alibaba-Imperiums beziehen. Händlern bietet Alibaba auf diesem Weg außerdem fast unbegrenzte Möglichkeiten für Werbe- und Marketingkampagnen zur Unterstützung ihrer Verkaufsaktivitäten auf den unternehmenseigenen Plattformen.

China allein reicht Alibaba nicht.

So groß aber der chinesische Markt mit seinen derzeit geschätzt fast 800 Millionen Internet-Nutzern auch ist, so unwahrscheinlich ist es doch, dass sich die Firmenziele des ehrgeizigen Gründers Ma allein in der Volksrepublik erreichen lassen, zumal Alibaba heute schon 443 Millionen Nutzer in China hat. Kein Wunder also, dass die Alibaba Group in letzter Zeit auch Europa mit unterschiedlichen Angeboten, Niederlassungen in England, Italien, Frankreich oder Deutschland und einem in Bulgarien geplanten Logistikzentrum verstärkt ins Visier genommen hat.

In Deutschland arbeitet Alibaba derzeit am Aufbau der eigenen Marke.

Dafür konzentrieren sich die Alibaba-Aktivitäten neben dem Bereich Cloud Services vor allem darauf, deutschen Unternehmen den Verkauf ihrer Waren in China über die Alibaba-B2C-Plattform Tmall zu erleichtern. Die deutschen Hersteller und Händler können hier zwar auf gute Geschäfte hoffen, der Weg dorthin aber ist nicht ganz so einfach. Auf die Herausforderungen weist Alibaba deutsche Geschäftspartner früh hin und empfiehlt für die Umsetzung Agenturen vor Ort, die sich auf die Uunterstützung ausländischer Firmen auf dem chinesischen Markt spezialisiert haben.

Ohne solche auf Kundendienst und Marketing spezialisierte Agenturen zu arbeiten, ist für ausländische Marken in China quasi undenkbar. Für Unternehmen, die teils seit Jahrzehnten in China präsent sind und dort ihre Produkte verkaufen, hat Alibaba die Plattform Tmall Classic im Angebot.

E-Commerce in China funktioniert in China völlig anders als etwa in Deutschland, Online-Erfahrungen können nicht einfach übertragen werden. Das muss man als Unternehmen bedenken.

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