Amazon will im Modemarkt Fuß zu fassen.

Amazon als der weltgrößte Online-Händler macht Ernst. Anfang September launchte er eine europäische Modekollektion unter dem Inhouse-Label Find. Rund 500 Teile umfasst die Kollektion aus Hosen, Blusen, Mänteln und Schuhen im mittleren Preissegment. Die „stylishen, modernen, eigenständigen“ Produkte zu „fairen Preisen“ erhielten fast ausschließlich positive Bewertungen.

 

Amazon auf neuen Wegen.

Die Premiere, die mit einer groß angelegten europaweiten Werbekampagne verbunden wurde, scheint ein Erfolg zu sein. Für das Design von „Find“ wurden Kundenbewertungen zu Fashion-Käufen ausgewertet, um herauszufinden, was bei der Zielgruppe ankommt und was nicht. Außerdem wurden Fashion-Trends in den sozialen Netzen berücksichtigt. Die Palette an Produkten kann ohne Weiteres mit anderen Mittelklasse-Brands mithalten.

Der Online Gigant überrascht die Branche.

Bisher waren die Bemühungen von Amazon im Modebereich mitzuhalten nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Schuld daran waren u. a. Fotos von schlechter Qualität, die unattraktive Präsentation wahllos zusammengestellter Marken und eine nicht optimale Suchfunktion. Sie bot beispielsweise bei der Suche nach „schwarzes Kleid“ fast 70.000 Ergebnisse ohne Filtermöglichkeiten an. Diese Schwachpunkte ließen das Unternehmen bisher nicht zu einem ernsthaften Player im schwierigen, anspruchsvollen und hart umkämpften Fashion-Markt werden.

 

Amazon hat die Strategie geändert.

Das Unternehmen wird in den USA 2017 wahrscheinlich etwa 28 Milliarden US-Dollar nur mit Fashion umsetzen. Das ist ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wird Macy’s von der Spitzenposition verdrängt werden. Analysten schätzen, dass Amazon Fashion innerhalb der nächsten fünf Jahre seinen Marktanteil am US-Modemarkt von zurzeit 6 vermutlich auf 16 Prozent steigern wird.

In Europa sind die Zahlen zwar noch nicht ganz so überwältigend. Im vierten Quartal 2016 jedoch wurden bereits 60 Millionen Modeprodukte über die europäischen Amazon-Marktplätze verkauft. Über 500 Teile umfasst die europäische Mittelklasse-Modekollektion Amazon Find. Im zweiten Quartal 2015 waren es noch 30 Millionen.

Der Gigant setzt auf einen Mix aus Emotion und Technik.

Für Emotionen sind, neben den Eigenmarken, große Brands und Designer mit junger Zielgruppe zuständig. So soll das Wachstum weitergehen. Mittlerweile gab Nike seinen Einstieg auf Amazon bekannt, Swarovski wird Schmuck und Uhren im eigenen Amazon-Shop anbieten. Der Modedesigner Nicola Formichetti präsentierte die neue Kollektion seines Labels Nicopanda gemeinsam mit Amazon Fashion auf der London Fashion Week.

Nicopanda zeigt Amazons technischen Zugang beim Thema Mode.

Nicht nur waren die Teile der Nicopanda-Kollektion zeitgleich mit der Catwalk-Show im Amazon-Shop erhältlich, Prime-Kunden konnten sich sogar die Produkte gegen einen Aufpreis per Prime Now innerhalb einer Stunde liefern lassen. Und auch zukünftig setzt das Unternehmen auf Tech-Power, um auf dem Fashion-Markt dauerhaft erfolgreich zu sein: Z. B. mit einem Patent für eine vollautomatische Modeproduktion, außerdem arbeiten Forscher von Amazon in San Francisco und Israel an einem Algorithmus, mit dem Modetrends durch Bilder, beispielsweise auf Instagram, erkannt und daraus eigene Modelinien designt werden können.

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