Können Smart Cities die Lösung vieler städtischer Probleme sein?

Leise, sauber und grün, so soll die Stadt der Zukunft aussehen. Gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher und sozialer machen sollen, sind in aller Munde. Die Diskussion um die Zukunft des Wohnens hat schon lange begonnen. Überall auf der Welt wird an Konzepten für Smart Cities gearbeitet, um das Leben der Bewohner bequemer, sicherer und energieeffizienter zu gestalten.

Wie sollen Smart Cities ausschauen?

Autos, die vor einer Schule selbständig das Tempo drosseln, Uhren, die in Häusern per Sensor die Raumtemperaturen auf den Alltagsrhythmus der Bewohner abstimmen, entspannte Menschen, die sich per App das passende E-Verkehrsmittel für den wahlweise schnellsten, sichersten oder CO2-ärmsten Weg zur Arbeit anzeigen lassen. So die Vorstellung.

Während in Indien und auch in Asien ganze hochtechnologische Planstädte entstehen, arbeiten europäische Städte eher daran, digitale Abläufe und Produkte in Verwaltung und öffentliches Leben zu integrieren. Auch auf kommunaler Ebene tut sich etwas, oft mit Blick auf Nachbarländer, denn Amsterdam, Kopenhagen und Wien haben schon übergreifende Smart-City-Strategien entwickelt.

In den Bereichen Verkehr, Energie und Datenmanagement geht es bei Smart Cities-Konzepten hauptsächlich darum, Daten mit Technologien zu verbinden. Sie sollen in die Stadtöffentlichkeit hineinwirken, das Leben soll für die Bewohner angenehmer gestaltet werden. In Berlin wurde z.B. ein Navigationssystem entwickelt, das Sehbehinderten auch innerhalb von Bahnhöfen, Einkaufszentren und Behörden bei der Orientierung hilft. Mit innovativen Mobilitäts- und Verkehrssystemen können Bürger E-Mobilitäts-Projekte, häufig in Verbindung mit flexiblen Carsharing-Modellen ausprobieren, werden als App-Tester zum Optimieren bestimmter Wegstrecken angefragt oder können neue Liefersysteme testen. Alltagsgewohnheiten, Verkehrsströme und ihre Folgen für Logistik und die städtische Infrastruktur sind auch in Hamburg bei der Förderung digitaler Projekte wichtig, die Stadt gilt ebenfalls als Vorreiter bei der Digitalisierung.

Schöne neue Welt!

Neben sich erhellenden Straßenlampen, wenn ein Radfahrer kommt, Ampeln, die wissen, wann sich Busse nähern usw. ist in deutschen Smart Cities-Konzepten vor allem eine bürgerfreundliche digitale Verwaltung wichtig. In Köln konnten Bürger über ein Internetportal Projekte für ihren Stadtteil vorschlagen, für die es ihrer Ansicht nach Geld geben sollte. Aus den Vorschlägen und anhand veröffentlichter Kriterien erarbeitete die Verwaltung eine Bestenliste. Ausgang und erste Schritte zur Umsetzung dokumentierte die Verwaltung online. Für 2016 wurden 100.000 Euro je Bezirk in diesen Bürgerhaushalt eingestellt.

In Kopenhagen will die Stadt eine Digitalisierung möglichst vieler Lebensbereiche nutzen, um bis 2025 klimaneutral zu werden. Dort erfassen Sensoren in Laternen, Kanälen und Abfallbehältern Abfallmengen, Kohlendioxidemissionen, Lärm und Luftverschmutzungs-Daten. Sie zeichnen auch auf, wie sich Menschen bewegen, übertragen die Daten anonymisiert an Stadtplaner. Außerdem legen die Kopenhagener schon 40 Prozent aller Wege in der Stadt mit dem Fahrrad zurück. In Helsinki sind alle Planungsdaten, die die Kommune erhebt, frei im Netz verfügbar.

Auch Wien liegt unter den Smart Cities ganz vorn. Ebenfalls sind die spanischen

Städte Santander und Barcelona auf einer Top- Ten-Liste der Unternehmensberatung Roland Berger, neben den US-Metropolen New York, Chicago und Denver und den asiatischen Megacities Seoul und Singapur. Deutsche Namen sucht man in der Liste vergebens.

Von schlauen urbanen Ballungszentren.

In Santander haben Autofahrer trotz enger Straßen und viel Verkehr kaum Probleme einen Parkplatz zu finden. Eine App leitet den Fahrer auf schnellstem Weg zum nächsten freien Stellplatz und rechnet dann auch noch die Parkgebühr automatisch ab. Auch blockieren Müllwagen die Straßen wesentlich seltener als anderswo. Sie kommen nur dann, wenn die Tonnen tatsächlich voll sind und dann meiden sie zudem noch die Hauptverkehrszeiten. All diese kleinen Alltagserleichterungen machen Tausende von Sensoren möglich, die in der Innenstadt von Santander verbaut sind: In Ampeln, auf Bussen an Kreuzungen, sogar unter dem Asphalt sammeln die kleinen Messgeräte Daten.

Smart Cities, intelligent vernetzte Städte, könnten eine Lösung für viele Probleme der Urbanisierung sein.

Dies allerdings nur, wenn Politik, Forschung, Privatwirtschaft und Bürger mitziehen. Überall versuchen große und kleine Städte, ihre spezifischen Probleme mithilfe von neuen, vernetzten Technologien zu lösen. In den Grachten Amsterdams entlasten automatisierte Lastkähne den Verkehr. Öffentliche Gebäude in Wien nutzen ihre eigene Abwärme zur Energiegewinnung. Barcelona hat seine Verwaltung komplett auf E-Government

umgestellt und verkehrt mit seinen Bürgern fast ausschließlich digital. In der österreichischen Kleinstadt Villach sind 700 Haushalte mit einem „Smart Meter“,

einem intelligenten Messinstrument zur Energiesteuerung ausgestattet. Im chinesischen Yinchuan bezahlen die Fahrgäste ihr Busticket via Gesichtserkennung. Kopenhagen will bis 2025 komplett klimaneutral sein.

Städte werden überall auf der Welt durch digitale Technologien intelligenter, vernetzter, nachhaltiger, effizienter.

Das ist notwendig, denn schon heute leben laut den Vereinten Nationen 50 Prozent der Menschen in Städten. 2030 werden es weltweit wohl über 70 Prozent sein. Gleichzeitig sind die Städte und Metropol-Regionen die größten Umweltsünder auf der Erde: Obwohl sie nur drei Prozent der weltweit besiedelbaren Landfläche einnehmen, werden 70 Prozent der Abgase hier produziert. Nicht zu vernachlässigen ist auch die wirtschaftliche Komponente:

Städte verbrauchen derzeit 75 Prozent der weltweit aufgewendeten Energie.

Unabdingbar: Eine Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Es ist vieles möglich, wenn Stadt, Privatwirtschaft und Bürger innovativ und offen zusammenarbeiten, aber diese Entwicklung führt auch zu Fragen der

Datensicherheit. Ohne die Mitarbeit der Bürger funktionieren die schönsten Projekte für Smart Cities nicht. Ein Projekt, das den Bürger nicht mitnimmt, wird nichts erreichen, denn er ist Lieferant wichtiger Daten wie Informationen über seinen Wasserverbrauch, seine Müllproduktion oder auch den Standort seines Autos. Es geht darum, Lebensqualität in den Städten zu sichern oder zu verbessern. Deshalb muss der Bürger das Ziel aller Bemühungen sein.

Smart Cities und Datensicherheit.

In Skandinavien kommt der Entwicklung hin zu Smart Cities der generell unbekümmerte Umgang mit Daten und die grundsätzlich positivere Haltung gegenüber Politikern und Behörden entgegen. In Deutschland dagegen misstrauen Bürger tendenziell beiden, wenn es um persönliche Daten geht. Aber gerade die Kommunen müssten natürlich im digitalen Wandel das zentrale Steuerelement und die Hoheit über Daten besitzen, wobei sich andererseits auch niemals in Abhängigkeit von Unternehmen bringen dürfen.

Das Problem hier liegt aber keineswegs nur an der Datensicherheit, denn tatsächlich fehlt es vielerorts an den technischen Voraussetzungen wie öffentlichen Wi-Fi-Netzen oder einem Breitband-Mobilfunknetz.

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